Die doppelte Erwartung: Was CMOs 2026 wirklich leisten müssen
- Julia Volckmer

- 20. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Die Anforderungen an Marketingführung verändern sich strukturell. Wer CMO im Jahr 2026 ist, trägt längst nicht mehr nur ein kreatives Mandat. Boards und CEOs stellen neue Fragen: Kann die Marketingleitung AI-Workflows verantworten? Kann sie Kampagnenergebnisse mit Revenue-Daten verknüpfen – nachvollziehbar und belastbar? Kann sie Infrastrukturentscheidungen gemeinsam mit CTO und CFO treffen? Das kreative Handwerk bleibt gefragt. Aber es reicht nicht mehr aus.

Was neu entsteht, ist eine Doppelerwartung:
CMOs sollen Marke und Kundenerlebnis gestalten – und gleichzeitig als AI-kompetente Governance-Instanz im C-Suite agieren.
Diese beiden Mandate sind nicht trennbar. Sie sind in einem Job verwoben, der sich in zwei Jahren deutlich stärker verändert hat als in den zehn Jahren davor.
Die Zahlen hinter dem Wandel
Eine Gartner-Studie aus dem Februar 2026 macht den Widerspruch sichtbar: 65 Prozent der CMOs erwarten, dass AI ihre Rolle innerhalb von zwei Jahren grundlegend transformieren wird. Gleichzeitig sagen nur 32 Prozent, dass sie selbst erhebliche Anpassungen an ihrem Kompetenzprofil für notwendig halten. Diese Lücke zwischen antizipiertem Wandel und persönlichem Handlungsdruck hat einen Namen: den AI Blind Spot.
Noch aufschlussreicher ist die Außenwahrnehmung:
Nur 15 Prozent der CEOs schätzen ihre Marketingleitung als AI-kompetent ein.
Wenn das Vertrauen im C-Suite so niedrig ist, füllen andere Funktionen das Vakuum. Chief Data Officers und CTOs übernehmen Technologieentscheidungen im Marketing-Bereich, die strategisch eigentlich von der Marketingleitung verantwortet werden sollten. Das Ergebnis sind AI-Deployments, die nicht immer mit Markenstrategie und Kundenprioritäten in Einklang stehen.
Datenfragmentierung als stiller Bremser
AI-Investitionen entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn die Datenbasis stimmt.
In der Praxis sieht das häufig anders aus: CRM-Systeme, Ad-Plattformen, E-Mail-Tools und Analytics-Dashboards kommunizieren nicht sauber miteinander. AI ist nur so zuverlässig wie die Daten, auf die sie zugreift. Organisationen, die AI auf fragmentierte Datenstrukturen aufsetzen, produzieren Outputs, denen Marketing-Teams schnell nicht mehr vertrauen – und sobald das Vertrauen auf Teamebene verloren ist, stagniert die Adoption, unabhängig davon, wie viel Führungsebene in die Initiative investiert hat.
Datenbereinigung ist keine IT-Aufgabe, die CMOs delegieren können. Sie ist eine Governance-Entscheidung, die auf Führungsebene getroffen werden muss – bevor AI-Investitionen in die Skalierung gehen.
Vier Dimensionen, die von CMOs verstanden werden sollten
Die CMOs, die 2026 messbare AI-Fortschritte erzielen, teilen ein gemeinsames Muster. Sie strukturieren ihre Transformation entlang von vier Dimensionen – in dieser Reihenfolge:
Daten-Unifikation als Voraussetzung, nicht als Parallelprojekt. Wer AI-Investitionen skalieren will, braucht zuerst einen konsistenten Datenstamm. KPIs müssen aus einer einzigen Quelle kommen, bevor Automatisierung ausgebaut wird.
Workflow-Design vor Toolauswahl. Die entscheidende Frage ist nicht "Welches AI-Tool kaufen wir?", sondern "Welchen Workflow wollen wir AI-first gestalten – und wer übernimmt die Qualitätssicherung?" Teams, die realen Wert aus AI ziehen, behandeln AI als interne Kompetenz, nicht als Software-Abonnement.
Klare Human-AI-Rollendefinition. AI kann Aufgaben ausführen, Muster erkennen und Empfehlungen geben. Strategie, Entscheidungen mit höherem Risiko und Qualitätskontrolle bleiben beim Menschen. Ohne diese Grenzziehung skalieren Organisationen Aktivität, bevor sie Verantwortlichkeit skalieren – und die Marke erlebt die Konsequenzen, bevor die Führung es tut.
Persönliche AI-Kompetenz der Führungsebene. CMOs, die AI-Outputs interpretieren, Schwachstellen erkennen und Standards setzen können, behalten strategische Kontrolle. Wer dieses Urteilsvermögen vollständig an Vendor-Teams delegiert, verliert schrittweise Entscheidungshoheit über den eigenen Bereich.
Was das für Entscheider im Mittelstand konkret bedeutet
Für Marketingverantwortliche im Mittelstand ist der Handlungsdruck real – aber der Rahmen ist überschaubar. Die CMOs, die nachweislich Fortschritte machen, starten nicht mit maximaler Breite. Sie wählen zwei bis drei Use Cases mit klaren Erfolgskennzahlen, liefern dokumentierte Ergebnisse und bauen von dort aus. Diese Sequenz ist kein Zeichen von Zögerlichkeit – sie ist der schnellste Weg zur Skalierung, weil sie Lerneffekte erzeugt, auf denen die gesamte Organisation aufbauen kann.
Bis 2028 soll der Anteil automatisierter Marketingarbeit von heute 16 Prozent auf 36 Prozent steigen – so Gartner. Das ist kein komfortabler Planungshorizont. Es ist ein komprimierter Zeitrahmen. Wer in diesem Zeitfenster noch im Pilot-Modus ist, wenn Automatisierung zur Norm wird, findet sich strukturell im Rückstand – nicht wegen fehlender Tools, sondern wegen fehlender Grundlagen.
Die Verbindung zwischen Datenbasis und AI-Rendite
Bei AVENTHO sehen wir in CRM-Projekten und Custom-Applikationen täglich, wie entscheidend die Datenbasis für die Qualität aller nachgelagerten Prozesse ist – ob AI-gestützt oder nicht. Die Fähigkeit von CMOs, ihre Daten-Infrastruktur als strategisches Fundament zu begreifen, ist der Unterschied zwischen AI-Investitionen, die sich reproduzieren lassen, und solchen, die im Proof-of-Concept stecken bleiben.
Wer die richtige Grundlage legt, schafft sich einen Vorsprung, der mit jeder weiteren Iteration größer wird.



Kommentare